Wenn Wände Geschichten erzählen

Der richtige Ort für besondere Begegnungen – und was alte Industriegebäude dazu beitragen

Manche Räume haben schon Charakter, bevor die erste Deko steht. Ich denke dabei an einen ganz bestimmten Ort. Die Zentralwerkstatt der Neuen Zeche Westerholt. Eine Halle, die sich auf den ersten Blick zunächst nur nüchtern zeigt: 6,76 Meter Deckenhöhe, nackter Beton und Kopfsteinpflaster, Stahlträger unter dem Dach.

Es riecht nach kaltem Metall und altem Staub, dazwischen etwas Feuchtes vom Regen der letzten Nacht. Es ist der Geruch echter Arbeit, nicht einer Kulisse. Den trägt das Gebäude seit über hundert Jahren in sich.

Die Zentralwerkstatt entstand 1908 als eines der ersten Gebäude der Schachtanlage Westerholt – hier kamen einst Schmiede, Schlosserei und Schreinerei zusammen. Die Wände tragen Farbe, Rost und Risse. Wir beschreiben diesen Ort als nicht geschniegelt, aber echt.

Seit diesem Jahr, dürfen wir Veranstaltungen auf der Neuen Zeche Westerholt betreuen. Wie es dazu kam und was diese Location so besonders macht, erzähle ich euch im Folgenden.

Fotos: © by Bente Meissner & André Chrost

Autorin
Leistung
Festlich gedeckte Tische für eine Veranstaltung im industriellen Ambiente der Zentralwerkstatt.

Vom Bergbau zum Begegnungsort

Zechen wie Westerholt waren jahrzehntelang der Grund, warum ganze Familien in diese Region gezogen sind. Sie haben Arbeit gegeben, Identität gestiftet, Städte geprägt. Als die letzten Schächte schlossen, blieb mehr zurück als leere Hallen – es blieb die Frage, was aus dieser Substanz werden soll.

Andere ehemalige Zechen im Ruhrgebiet zeigen, wohin diese Entwicklung führen kann. Aus der Zeche Zollverein in Essen wurde ein Weltkulturerbe, aus stillgelegten Fördertürmen wurden Museen und Bühnen.

In der Zentralwerkstatt sehen wir etwas anderes: kein Denkmal unter Glas, kein musealer Stillstand. Stattdessen wird wieder gearbeitet – nur eben nicht mehr mit Schmiedehammer und Schraubstock, sondern mit Blumen, Lichtern und Sektgläsern. Genau das macht für mich die Wirkung dieser Orte aus: Man spürt noch die Arbeit, die hier einmal geleistet wurde, auch wenn heute etwas ganz anderes darin passiert.

Atmosphäre ist kein Zufall

Für eine Studie zu Locations in ehemaligen Industriestandorten wurden deutsche Eventagenturen und ihre Gäste befragt (Geilenbrügge & Eisermann, 2014). Das Ergebnis:

  • 90 Prozent der befragten Eventagenturen haben schon mindestens einmal ein Event in einer Industrielocation durchgeführt
  • 56,7 Prozent der Agenturen nennen als größte Stärke dasselbe, worauf auch wir bei der Zentralwerkstatt setzen: Atmosphäre, Charme, Charakter
  • 79 Prozent der befragten Eventgäste haben selbst schon einmal eine Veranstaltung in einer Industrielocation erlebt
  • 52,2 Prozent der Agenturen sind überzeugt: Orte wie dieser werden auch in 30 Jahren noch gefragt sein

Was das für die Planung bedeutet: Eine Location wie diese verkauft sich nicht über ihre Ausstattung. Sie verkauft sich über das Gefühl, das sie im ersten Moment auslöst – und das lässt sich weder in einem Foto noch in einer Preisliste einfangen. Auch die Fachliteratur zum Locationmanagement betont genau diesen Punkt: Ein Veranstaltungsort muss nicht nur die Anzahl der Gäste fassen, er muss zum gewünschten Stil und zur Atmosphäre der Veranstaltung passen (Sommer, 2024). Deshalb beginnt jedes Gespräch mit uns nicht bei der Gästeliste, sondern bei der Frage, wie sich dein Fest anfühlen soll. Möbel und Licht kommen erst danach.

Zwischen roher Halle und fertigem Event

Eine hundertjährige Werkshalle bringt eigene Herausforderungen mit. Die Infrastruktur für Veranstaltungen ist hier nicht fest verbaut. Wir organisieren sie für jedes Event individuell – in einem Gebäude, das nie für Feiern gedacht war. Dazu kommen die Auflagen des Denkmalschutzes, die bei jeder Deko, jeder Bühne und jedem Kabelweg mitgedacht werden müssen. Und ohne durchdachtes Sicherheitskonzept darf hier niemand feiern.

Je nach Anforderung des Events und Wunsch unserer Kunden kümmern wir uns um:

  • Catering, abgestimmt auf Raum und Anlass
  • Technik und Live-Musik
  • Auf- und Abbau
  • Deko und Menükarten
  • Fotobox
  • Gästebetreuung vor Ort

Was uns mit der Neuen Zeche Westerholt verbindet

Mitte 2023 haben wir zum ersten Mal die ExtraSchicht auf der Neuen Zeche Westerholt organisiert – die Nacht der Industriekultur im Ruhrgebiet, zu der jedes Jahr Tausende Menschen kommen. Im Oktober desselben Jahres haben wir dort unser 25-jähriges Firmenjubiläum im Regallager und Hochregallager gefeiert – damals noch ganz ohne Gedanken an die Zentralwerkstatt als eigenes Angebot.

So eine Beziehung zu einem Ort entsteht nicht über Nacht. Sie wächst mit jedem Event, das man dort gemeinsam trägt.

Diese langjährige Verbindung zur Neuen Zeche Westerholt ist der Grund, warum wir die Zentralwerkstatt seit diesem Jahr als Mietlocation betreuen:

  • 1.464 Quadratmeter Gesamtfläche
  • rund 650 Quadratmeter reine Veranstaltungsfläche
  • Platz für bis zu 199 Personen, auf Anfrage auch mehr

Dabei hätte es auch ganz anders kommen können. In einer Machbarkeitsstudie der Neuen Zeche Westerholt wurde die Halle auch als hochwertige Bürofläche durchgerechnet. Am Ende ist daraus kein Großraumbüro geworden, sondern ein Ort für Begegnungen. Diese Entscheidung freut mich jedes Mal aufs Neue.

Wo Stahl auf Natur trifft

Direkt angrenzend an der Halle liegt etwas, das diesen Standort erst durch seinen Kontrast so besonders macht: das Birkenwäldchen. Ein echter Birkenhain auf dem ehemaligen Zechengelände, mit Sitzbänken zwischen den Stämmen, einer aufklappbaren Bühne und einer kleinen Bar. Eines der drei Rolltore der Zentralwerkstatt führt direkt hinein.

Diese Nähe ist für mich mehr als ein netter Zusatz. Der Kontrast, über den in unserer Branche oft nur in Bildern gesprochen wird – schwerer Stahl, der einmal für harte Arbeit stand, und die leise Schönheit wachsender Natur – ist hier keine Metapher. Man geht buchstäblich durch ein Tor von der einen Welt in die andere. Für eine Trauung im Freien, gefolgt von der Feier in der Halle, ist das eine Kombination, die ich so kein zweites Mal kenne.

Für welche Anlässe sich dieser Ort eignet

Die Zentralwerkstatt lässt sich nicht auf einen Anlasstyp festlegen. Diese Formate funktionieren bei uns gleichermaßen gut:

  • Trauung mit Feier, drinnen, draußen oder kombiniert
  • Firmenfeiern und Firmenjubiläen
  • Ausstellungen und Showrooms
  • Live-Auftritte und Konzerte
  • Lesungen und kleinere Kulturformate
  • Modeschauen

Von zurückhaltender Industrie-Optik bis zur aufwendig inszenierten Kulisse: Bestuhlung, Farbkonzept, Lichtstimmung, Dekoration - wir stimmen jedes Detail auf deinen Anlass ab. Am besten sprechen wir darüber direkt vor Ort, nicht am Telefon.

Fazit

Was diesen Ort besonders macht, ist nicht nur die Architektur aus dem Jahr 1908 oder das Birkenwäldchen nebenan. Es ist die Geschichte, die wir selbst mit ihm teilen – als Gäste unserer eigenen Feiern, als Mitorganisatoren der ExtraSchicht, und jetzt als die, die diesen Ort für dich öffnen. Wenn ich das nächste Mal in dieser Halle stehe, wird sie nicht mehr leer sein. Und ich werde immer noch genau hinhören, welche Geschichte an diesem Abend erzählt wird.

Wann besichtigen wir gemeinsam die Zentralwerkstatt für dein nächstes Event?

*Quellenangaben:

  • Sommer, Kristina (2024): Locationmanagement für die Eventkonzeption. essentials. Wiesbaden: Springer Gabler. DOI: 10.1007/978-3-658-43928-6.
  • Mewes, Petra (2025): „Visionäre Ideen für inspirierende Projekte“. In: Tagungs-Wirtschaft, eMag 2, 05.07.2025.
  • Geilenbrügge, Lena / Eisermann, Uwe (2014): „Eventisierung von ehemaligen Industriestandorten – Eine Mode oder langfristige Entwicklung unter den Einflüssen der Kampagne Kulturhauptstadt RUHR.2010“. In: Eisermann, Uwe et al. (Hrsg.): Praxisorientiertes Eventmanagement. Events erfolgreich planen, umsetzen und bewerten. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden*

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